Die Hilfsmittelversorgung in Deutschland sichert Lebensqualität und Patiententeilhabe bei einem Kostenanteil von gerade einmal vier Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Doch das System steht unter Druck: Demografischer Wandel und ein verschärfter Fachkräftemangel erfordern ein schnelles Umdenken. Die eurocom legt hierzu heute ihr neues Positionspapier „Digitalisierung in der Hilfsmittelversorgung“ vor. Das Papier analysiert präzise die aktuellen Hürden und zeigt einen konkreten, durchgängig digitalen Fahrplan von der Erstdiagnose bis zur Abrechnung auf.

Das Positionspapier versteht sich als strategischer Wegweiser für Gesetzgeber, Krankenkassen und Leistungserbringer. Es bündelt die drängendsten Baustellen – wie die eVerordnung und ihre Konzipierung in den Praxis-Softwaresystemen, die Anbindung der Leistungserbringer an die Telematikinfrastruktur, digitale Notfalldepots im Krankenhaus oder den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) – und liefert praxisnahe Lösungen, um Prozesse spürbar zu verschlanken. „Priorisierung ist bei solch komplexen Vorhaben unvermeidbar. Wichtig ist die Einhaltung festgelegter Termine und Transparenz der Priorisierung, damit alle Akteure Planungssicherheit haben“, betont Oda Hagemeier, Geschäftsführerin der eurocom.

Durchgängig digital statt Medienbrüche

Die eurocom warnt vor Verzögerungen bei zentralen Projekten. So wurde die verpflichtende eVerordnung für Hilfsmittel zuletzt auf Juli 2030 verschoben. Bis dahin droht ein ineffizienter Flickenteppich, bei dem digitale Kostenvoranschläge mit papierenen Rezepten kombiniert werden. Gefordert wird daher ein reibungsloser digitaler Workflow ohne Medienbrüche sowie erweiterte Lese- und Schreibrechte in der elektronischen Patientenakte (ePA) für Leistungserbringer. Nur so lässt sich die Qualität der Versorgung sichern und bürokratische Rückfragen auf ein Minimum reduzieren. Oda Hagemeier erklärt dazu: „Die Hilfsmittelversorgung leistet enorm viel und kostet wenig. Angesichts des massiven Fachkräftemangels im Sanitätsfachhandel und in den Kliniken können wir es uns schlicht nicht mehr leisten, wertvolle Zeit mit analoger Bürokratie zu verschwenden. Ein durchgängig digitaler Versorgungsprozess ist kein Luxus, sondern die Grundvoraussetzung, um Patientinnen und Patienten auch in Zukunft schnell und zielgerichtet zu versorgen. Wir brauchen jetzt den politischen Mut für echte Neuerungen.“

Innovationen nutzen: DiGAs und „Connected Devices“

Ein weiterer Schwerpunkt des Papiers liegt auf zukunftsweisenden Technologien. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) sollten unbürokratisch als begleitende Therapieoption, etwa parallel zu einer Bandagenversorgung, genutzt werden können – ohne verzögernde Vorprüfungen durch die Krankenkassen. Zudem bieten hybride Versorgungsformen durch sogenannte „Connected Devices“ – also Hilfsmittel, die via Sensorik ein Feedback zur Therapietreue geben – immense Chancen für den Behandlungserfolg.

Damit Hersteller diese Innovationen datenbasiert weiterentwickeln und KI-Systeme sinnvoll trainieren können, fordert die eurocom zudem einen geregelten Zugang zu anonymisierten Versorgungsdaten im Rahmen des European Health Data Space. Oda Hagemeier dazu: „Ob digitale Gebrauchsanweisungen per QR-Code oder KI-gestützte Genehmigungsverfahren bei den Krankenkassen – die technologischen Lösungen liegen bereits vor. Der Gesetzgeber muss nun verlässliche, interoperable Standards setzen und bestehende Hürden konsequent abbauen. Nur wenn wir Hilfsmittel und digitale Anwendungen zusammendenken, schaffen wir ein zukunftsfähiges und modernes Gesundheitssystem.“

Das vollständige Positionspapier steht ab sofort auf der Website der eurocom e. V. zum Download zur Verfügung.

 

Über eurocom

eurocom ist die Herstellervereinigung für Kompressionstherapie, orthopädische Hilfsmittel und digitale Gesundheitsanwendungen. Der Verband versteht sich als Gestalter und Dialogpartner auf dem Gesundheitsmarkt und setzt sich dafür ein, das Wissen um den medizinischen Nutzen, die Wirksamkeit und die Kosteneffizienz von Kompressionstherapie und orthopädischen Hilfsmitteln zu verbreiten. Zudem entwickelt eurocom Konzepte, wie sich die Hilfsmittelversorgung aktuell und in Zukunft sicherstellen lässt. Dem Verband gehören die maßgeblichen Unternehmen aus den Bereichen Kompressionstherapie und orthopädische Hilfsmittel an, die im deutschen und europäischen Markt tätig sind.

 

Pressekontakt

Antje Schneider, eurocom e. V. – European Manufacturers Federation for Compression Therapy and Orthopaedic Devices
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